📘 Distanzaufgaben im Abi-Online-Lehrgang - Orientierung für Studierende
Im Abi-Online-Lehrgang gehören Präsenz- und Distanzphasen zusammen. Distanzaufgaben sind kein Zusatz, sondern verbindliche Lernzeiten. Sie ersetzen im Abi-Online-Modell einen Teil der sonst üblichen Präsenzzeit und ermöglichen dadurch mehr zeitliche Flexibilität.
Diese Flexibilität bedeutet zugleich mehr Eigenverantwortung und höhere Anforderungen an Selbstorganisation und Verlässlichkeit. Distanzaufgaben dienen dazu, Unterrichtsinhalte vorzubereiten, zu erarbeiten, zu vertiefen, zu üben und den eigenen Lernfortschritt sichtbar zu machen. Lehrkräfte stellen Distanzaufgaben in der Regel über Logineo/Moodle; Studierende geben sie dort auch ab.
Die Lehrkraft soll zu Kursbeginn darüber informieren, wo Aufgaben bereitgestellt werden, welche Fristen gelten, welches Produkt erwartet wird und wie Abgabe und Bewertung aussehen. Aufgaben sollen so gestellt werden, dass ausreichend Bearbeitungszeit mit mindestens einem Wochenende zur Verfügung steht und die Erwartungen klar sind.
Studierende sollen Distanzaufgaben regelmäßig, fristgerecht und mit erkennbarer Eigenleistung bearbeiten. Distanzaufgaben sind Teil der Sonstigen Mitarbeit. Maßgeblich für die Bewertung sind Regelmäßigkeit und Qualität der Bearbeitung.
Entscheidend ist, dass die Bearbeitung eine ernsthafte und angemessen differenzierte Auseinandersetzung mit den Aufgaben und einen Lernfortschritt zeigt. Von Studierenden wird erwartet, dass sie ihre eingereichten Bearbeitungen verstehen und im Unterricht erklären bzw. inhaltlich vertreten können.
Studierende, die der Meinung sind, dass Lehrkräfte nicht nach diesen Kriterien bewerten, sollten zunächst das Gespräch mit der betreffenden Lehrkraft und gegebenenfalls anschließend mit der Klassenleitung suchen, um das Problem zu klären.
Studierende sollen von ihren Lehrkräften Rückmeldungen erhalten. Diese können auch durch Musterlösungen, Besprechungen im Unterricht, Kurzfeedback, Nachfragen oder gemeinsame Auswertungen erfolgen.
Die Lehrkraft kann digitale Werkzeuge, KI, Fremdquellen, Gruppenarbeit oder andere Hilfen zulassen. Studierende müssen deren Verwendung kenntlich machen. Im Mittelpunkt jeder Bearbeitung stehen die Auseinandersetzung mit dem Lernstoff und dessen Verständnis — unabhängig davon, ob Studierende allein oder mit Unterstützung gearbeitet haben.
So bleiben Leistungen fair, nachvollziehbar und vergleichbar.
Es gelten die Rules for Tools:
🤖 KI in Distanzaufgaben: Unterstützung ja, Ersatz nein
KI kann beim Lernen hilfreich sein: Sie kann erklären, Beispiele geben, Texte sprachlich verbessern, Rückfragen stellen oder beim Strukturieren helfen. Sie darf aber nicht das eigene Denken ersetzen.
Technisch kann man Aufgaben vollständig von einer KI lösen lassen. Pädagogisch ist das aber problematisch: Wer nur ein fertiges Ergebnis übernimmt, übt nicht, versteht oft weniger und kann die eigene Abgabe im Unterricht möglicherweise nicht erklären.
Grundsatz:
Wir schreiben nicht, um Text zu produzieren, sondern um Denken zu strukturieren. Ein Text ist der sichtbare Ausdruck eines Lernprozesses.
✅ Sinnvoll erlaubt
Verständnisfragen, Beispiele, Gliederungen, Sprachkorrektur, Feedback, Kontrollfragen und Übungshilfen.
⚠️ Nur transparent
Textentwürfe, Formulierungshilfen, Rechenwege, Code, Übersetzungen oder umfangreiche KI-Vorschläge müssen kenntlich gemacht werden.
❌ Nicht erlaubt
Eine KI-Lösung unverändert als eigene Leistung abzugeben, Hilfsmittel zu verschweigen oder Ergebnisse nicht erklären zu können.
🥊 KI als Sparringspartner
Ein Sparringspartner stammt aus dem Boxsport: Er ist kein Gegner im Wettkampf, sondern ein Trainingspartner. Er hilft dabei, Techniken zu üben, Schwächen zu erkennen und Strategien zu verbessern. Ziel ist nicht, dass der Sparringspartner für dich gewinnt. Ziel ist, dass du selbst besser wirst.
👍 Gutes KI-Nutzen
„Erkläre mir das Verfahren Schritt für Schritt und stelle mir danach Kontrollfragen.“
👎 Schlechtes KI-Nutzen
„Löse Aufgabe 3 komplett, ich gebe es genau so ab.“
📌 Quick-Check: Verstehen vor Formulieren
- 🔁 Distanzaufgaben dienen dem Wiederholen, Vertiefen und Anwenden.
- 🛠️ Hilfsmittel sind erlaubt, auch KI, aber nur transparent und verantwortungsvoll.
- 🗣️ Alles Abgegebene muss mündlich erklärbar sein.
- 🧠 Nicht das perfekte Produkt zählt, sondern nachvollziehbares Lernen.
✅ Checkliste vor der Abgabe
- ☐ Verständnis: Verstehe ich jeden Satz und jeden Rechenschritt so gut, dass ich ihn im Unterricht erklären könnte?
- ☐ Faktencheck: Habe ich alle fachlichen Aussagen, besonders KI-Aussagen, selbstständig überprüft?
- ☐ Transparenz: Habe ich angegeben, welche Quellen oder Tools ich wofür genutzt habe?
- ☐ Datenschutz: Habe ich keine Namen, personenbezogenen Daten oder sensiblen Informationen in einen Chatbot eingegeben?
✍️ KI-Nutzung kennzeichnen
Wenn du KI oder andere Hilfsmittel nutzt, musst du deren Verwendung kenntlich machen. Eine ausführliche Prompt-Dokumentation ist vor allem dann nötig, wenn die Aufgabe es verlangt oder wenn Ergebnisse auffällig wirken.
In der Regel reicht:
- Tool nennen
- kurz angeben, wofür es genutzt wurde
- bei Bedarf zentrale Prompts ergänzen
Beispielformulierung:
Erstellt unter Zuhilfenahme von [Tool]. KI genutzt für: Struktur / Formulierung / Feedback. Optional, falls verlangt: Genutzte Prompts: „[Prompt 1]“, „[Prompt 2]“.
🧠 Warum kann ein Erklärungsteil sinnvoll sein?
Ein fertiges Ergebnis zeigt nicht immer, ob der Lernprozess verstanden wurde. Deshalb können Lehrkräfte verlangen, dass du deinen Weg zum Ergebnis erklärst.
❓ Prozess
Wie bist du vorgegangen? Welche Schritte waren wichtig?
🧠 Eigenanteil
Was hast du selbst entschieden, verändert, verworfen oder ergänzt?
⚖️ Fachliche Entscheidung
Wo musstest du prüfen, abwägen oder eine begründete Auswahl treffen?
Merke: Nicht das fehlerfreie Produkt zählt am meisten, sondern der Nachweis, dass du den Prozess verstanden, gesteuert und überprüft hast.
🔁 Schaubild
Das folgende Schaubild fasst zusammen, wie Distanzaufgaben und KI verantwortungsvoll zusammenpassen.

🧰 Rules for Tools
Die „Rules for Tools“ beschreiben verbindlich, wie am Weiterbildungskolleg mit digitalen Werkzeugen, KI, Quellen und weiteren Hilfsmitteln umgegangen wird.
💡 Inspiration und Praxis
- 🧰 Leitlinie am Weiterbildungskolleg: Rules for Tools
- 🏫 Hybrides Lernen: Wie Unterricht sich verändern muss
- 🎓 BR: Hausarbeiten mit ChatGPT – was Unis erlauben
- 🎧 EduFunk: Intelligent unterrichten – Wie KI die Pädagogik verändert
- 🗣️ Fighting Fire with Fire: Scalable personalized oral exams
- 🤖 Prüfungsformate im KI-Zeitalter
🏛️ Handlungsleitfaden KI des Schulministeriums NRW
Der Handlungsleitfaden des Schulministeriums NRW betont Chancen und Herausforderungen von KI und empfiehlt, KI offen und konstruktiv im Unterricht zu thematisieren.